
Wenn
Renata von Horst erzählt, fühle ich mich immer
gemüssigt, ihn zu verteidigen. Dabei kenne ich ihn gar nicht. Armer Horst. In
Renatas Worten ist er klein, unansehnlich und unaufmerksam. Er ist
Webdesigner, sitzt zu Hause an seinem Computer und sagt fast nie ein Wort. Und sagt er doch mal etwas, ist es entweder völlig langweilig oder hochgradig anstrengend.
Horst war 1 1/2 Jahre lang
Renatas Daueraffäre. Ich will wissen warum.
"Ach Du
weißt schon", sagt sie. Ich weiß nicht, und
Renata erklärt es mir.
Horst versteht nichts von der Welt, ist anderen gegenüber unendlich unaufmerksam und liegt in seinen Einschätzungen fast immer völlig daneben. Doch in einer Beziehung kann Horst niemand das Wasser reichen. Wenn Horst Lust auf eine Frau hat, legt er seinen Stift beiseite, und er geht zur
Strassenbahnhaltestelle. Er schaut sich die Frauen an, bis er eine findet.
Renata kräuselt die Nase. Dann steigt er mit der Frau in die Bahn ein, setzt sich neben sie und sagt: "Wohnst Du hier auch in der Gegend?" - "Völlig blöde!"
Renata wedelt mit den Händen. Dann fragt Horst die Frau, ob er mit zu ihr nach Hause kommen kann. Horst bekommt nie einen Korb - es ist unglaublich.
Über Sex sagt Horst Dinge wie: "Man
muß sich von den Bildern lösen, weil man von den Bildern nicht satt wird. Sex ist Meditation." Horst interessiert sich nicht für Pornografie. Männer, die sich Pornos ansehen
tuen ihm
leid. Sie verstehen nicht.
In dieser einen Beziehung ist Horst Gott.