Gabriela ist Journalistin. Sie musste aus ihrem Land fliehen, weil sie ein Buch über unterdrückte Menschen geschrieben hat. Sie erhielt Morddrohungen. Von den neun anderen Frauen, mit denen zusammen sie ihre Journalistenausbildung gemacht hat, sind zwei ermordet worden. Gabriela hat ihren Vater verloren, als sie 12 war. Die Militia hat ihn erschossen, auf der Straße. Zwei Schüsse in den Rücken. An jenem Tag hat ihre Familie Gabriela vergessen. Niemand hatte ihr etwas gesagt. Sie kam von der Schule nachhause, fand das Haus voller Menschen und ihren Vater tot in den Armen ihrer Schwester. Sie sagt, sie kann sich nur noch an seine blutige Hand erinnern, die er auf die Austrittswunde in seinem Bauch gedrückt hatte. Alles andere ist ausgelöscht aus ihrem Gedächtnis. Bis heute geht niemand von Gabrielas Familie durch die Straße, in der ihr Vater erschossen wurde. Zwei Jahre später verschwand ihr Bruder, vermutlich ist auch er ermordet worden. Ihre Familie hat ihre materielle Existenz verloren und sich eine neue aufbauen müssen. Gabriela sagt, sie hätte lieber das Haus und das Land für immer verloren, wenn dafür ihr Vater und ihr Bruder am Leben geblieben wären. Sie sagt, sie kann lachen, aber es kommt nie von innen. Innen ist etwas, das nicht mehr glücklich wird.
Gabriela kennt den Mörder ihres Vaters. Ich frage sie, ob sie manchmal den Wunsch hat, Rache zu üben. "Jeden Tag", sagt sie. "Jeden Tag denke ich daran, eine Waffe zu nehmen und den Mörder zu töten. Und nicht nur ihn. Ich will seine ganze Familie erschießen."
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