Donnerstag, 25. Januar 2007

Matthäus

Einer meiner Freunde kommt demnächst in den Knast.
Es ist lustig, dass ich Knast sage. Eigentlich wollte ich Gefängnis sagen, aber das klingt zu harmlos. Knast ist auch nicht ideal, es klingt zu gewollt. Ich weiß nicht, wie ich es besser soll. Früher hätte ich außerdem Kumpel statt Freund gesagt. Noch früher allerdings habe ich Freund und nicht Kumpel gesagt. Ganz früher Freund, früher Kumpel, heute wieder Freund. Man könnte jetzt meinen, Kumpel würde zu Knast passen und Freund zu Gefängnis. Der Witz ist, ich glaube, es ist genau umgekehrt. Egal. Jedenfalls, da kommt er rein.
Er hat die Möglichkeit gehabt, seine Schulden durch Sozialarbeit zu tilgen. Pflege öffentlicher Gartenanlagen. Aber schon am dritten Tag ist er nicht mehr hin.
Ich fragte ihn, um Himmels willen warum?
„Ja“, hat er gesagt, „das wüsste ich selber gern!“
Jetzt ist nichts mehr zu machen.
Ich weiß, normalerweise gibt es immer noch eine Möglichkeit. Aber mein Freund ist nicht normalerweise. Bei ihm ist Matthäus am Letzten.
Als mir das klar wurde, wollte ich ihm alles mögliche vorwerfen. Da fiel mir ein, dass ich mir Abend für Abend schwöre, keinen Kaffee mehr zu trinken und nicht mehr zu rauchen. Aber kaum bin ich aufgestanden, habe ich einen Kaffee in der Hand. Mit dem Rauchen passe ich auf bis zum Abend, und dann rauche ich doch. Und dann frage ich mich, um Himmels Willen warum. Und wüsste es selber gern.