Freitag, 22. Dezember 2006

Sowas

"Ich weiß wer du bist, du bist Florian Thalhofer!" Ich schaue wohl ziemlich blöde drein. Was zum Teufel...

Zusammen mit Jule bin ich in Deutschland unterwegs. Für einen kleinen Film suchen wir Deutschlandfahnen, die nach der Fußball-WM im Sommer noch in Vorgärten wehen.
"Du hast mir heute Nachmittag eine SMS geschickt."

- Was?-

Die Frau, die nun neben mir steht habe ich vor einer Minute, dreißig Sekunden das erste Mal gesehen. Sie ist eine Freundin von Clemens. Clemens ist der Cousin von Jule, und auch ihn habe ich gerade erst kennen gelernt. Wir sind in Dortmund, in der Wohnung von Clemens. Jule hat vor einer Stunde bei ihm angerufen, ob wir bei ihm übernachten können. Sie haben sich seit über einem Jahr nicht mehr gesprochen.

- SMS? -

"Du bist doch der Typ, der die Fahnen sucht. Du hast mir eine SMS geschickt, daß ihr kommt."

Manchmal dauert es etwas länger, bis ich verstehe. Das Goethe-Institut hat für mich eine Email verschickt, mit der Bitte, Standorte von interessanten Fahnen zu melden. 17 Leute aus ganz Deutschland haben sich gemeldet. Einen Hinweis haben wir aus Dortmund bekommen. In Deutschland leben 82 Millionen Menschen, in Dortmund 600 000. Einer steht gerade neben mir und grinst.

"Tja, naja" sagen die Wnukis, zucken mit den Schultern, drehen sich um und trappeln davon...


(Das auf dem Bild ist Caspar, Jules Cousin)

Julias Schatten


An diesem Abend hatte Julia Angst oder war traurig oder ein wenig von beidem. Ein großer Schatten lag unter dem Mond auf dem nächtlichen Meer. Beim Hinausschauen glaubte sie für Sekunden, es sei ihr eigener, den die Lichter der Promenade hinauswarfen bis an den Horizont, bis nach dort draußen. Als sei sie ein Riese, zu groß für die Ordnung der Dinge. Ich glaube, das war der Grund.